Die re:publica ist einer der wichtigsten Orte in Europa, an dem Netz, Gesellschaft und Kultur aufeinandertreffen. Umso schöner, dass uns das Medienboard Berlin-Brandenburg eingeladen hat, den Programmschwerpunkt ON SCREEN mitzukuratieren, jenen Tag am 19. Mai 2026, den die re:publica ganz dem Bewegtbild und der Zukunft der audiovisuellen Medien widmet. Insgesamt haben wir drei Formate gestaltet.
Eines davon habe ich selbst moderiert: „Between Science Fiction and Reality”. Kino schafft Bilder, die bleiben, und prägt leise, wie wir über Macht, Gesellschaft und das Mögliche denken. In Zeiten von Deepfakes und kuratierten Feeds stellt sich die Frage neu: Was kann Kino, was das Scrollen nicht kann, und wer entscheidet eigentlich, welche Geschichten erzählt werden? Auf der Bühne saßen drei Menschen, die diese Frage aus sehr unterschiedlichen Richtungen kennen: Leopoldo López, Mitgründer des World Liberty Congress und Freiheitskämpfer aus Venezuela, der sieben Jahre als politischer Gefangener verbracht hat; Isabella Hermann, Science-Fiction-Expertin und Autorin; und Michael Grotenhoff, Regisseur des Dokumentarfilms „Total Trust” über das Überwachungssystem in China.
Was ich aus diesem Gespräch mitgenommen habe:
- Science-Fiction ist eine politische Sprache. Von Star Wars über Star Trek bis „1984” erzählt Fiktion seit jeher, wie wir uns Macht, Kontrolle und Widerstand vorstellen. Isabella Hermann bringt es auf den Punkt: Science-Fiction kann Komplizin von Ausbeutung sein, ihre schärfste Kritikerin, oder ein Werkzeug, um sich eine bessere Welt überhaupt erst auszudenken.
- Filme machen abstrakte Macht spürbar. Michael Grotenhoffs „Total Trust” zeigt Chinas Überwachungssystem nicht als Statistik, sondern als gelebten Alltag von Familien. Als Dokumentarfilmer will er die Wirklichkeit zeigen, und die Wirklichkeit ist oft ein Blick in eine Zukunft, die wir noch nicht kommen sehen.
- Wenn die Utopie zur Giftpille wird. Leopoldo López erzählte, wie in Venezuela ein Versprechen auf das Paradies, festgeschrieben in einer neuen Verfassung, zum Werkzeug wurde, um die Demokratie auszuhöhlen. Seine Warnung: Versprechen von Utopien können Giftpillen für Dystopien sein.
- Anti-Dystopie als Praxis. Man braucht keine perfekte Vision einer besseren Welt, so Hermann. Es genügt, sich zusammenzutun und gemeinsam gegen die Dystopie zu handeln, auf jeder Ebene, bis hin zu der Nachbarin, mit der man während des Stromausfalls den Strom teilt.
- Warum Kino, nicht Scrollen. Im Kino, so Grotenhoff, gibt man sich dem Tempo, der Komplexität und der Emotion einer Geschichte hin. Gerade gegen algorithmisch getaktete Feeds ist das wichtiger denn je. Und Dokumentarfilm heißt Verantwortung: für die Protagonist*innen da zu sein, lange nachdem der Film fertig ist.
Genau solche Räume wollen wir schaffen: dort, wo Film, Technologie, Politik und Aktivismus an einem Tisch sitzen. Dass uns das Medienboard einlädt, drei Formate eines so wichtigen Schwerpunkts zu gestalten und zu moderieren, sagt viel über das, was TGMN kann: Programme kuratieren, die Menschen aus Film, Games, XR, Politik und Wissenschaft zusammenbringen und ein großes Thema in ein Erlebnis verwandeln.
Du planst eine Konferenz oder eine Programmschiene rund um Medien und Zukunft und suchst nach kuratorischer Unterstützung? Schreib uns eine kurze Mail an mail[at]thegoodmedia.net. Gemeinsam entwickeln wir ein passendes Film- und Veranstaltungsprogramm.




