Ich moderiere gern Runden, in denen Menschen sitzen, die sonst selten am selben Tisch landen. „Beyond Linear: Connecting with Today’s Audiences” beim DOK.fest München 2026 war so eine Runde, ausgerichtet vom DCampus Exchange in Kooperation mit dem DOK.forum.
Auf dem Podium trafen drei Welten aufeinander: Daniel P. Elward von Channel 4 aus Sicht eines Senders, Matthias Leitner vom Bayerischen Rundfunk als digitaler Storyteller und Format-Innovator, und Esther van Messel von First Hand Films aus Produktion und Weltvertrieb. Die Frage, die alle verband: Wie bauen Plattformen, Verleihe und Sender ihr Publikum eigentlich auf, wo laufen ihre Strategien zusammen, und wo gehen sie auseinander?
Was mich an diesem Gespräch am meisten gefreut hat: Am Ende standen keine schönen Floskeln, sondern konkrete Erkenntnisse. Die wichtigsten habe ich hier für euch zusammengefasst.
- Publikum verstehen heißt nicht nachgeben. Matthias Leitner (BR) hat es auf den Punkt gebracht: Es geht nicht darum, dem Publikum zu geben, was es will, sondern das, was wir erzählen wollen, in einer Form, in der es gern zusieht. Sein Team entwickelt nutzerzentriert, baut günstige Prototypen, testet früh und verwirft schnell, was nicht funktioniert.
- **Sei für dein Publikum so sehr Expert*in wie für dein Thema.** Und zwar von Tag eins an, mit echtem Kontakt zur Zielgruppe und „warmen Daten”, nicht nur mit Vermutungen über den Algorithmus. Dafür reichen oft schon acht bis zwanzig Menschen im Test.
- Vertrauen ist der eigentliche Unterschied. Daniel Elward (Channel 4) war klar: Bei Länge, den ersten Minuten und der Präsentation darf man von Creators lernen und Kompromisse machen. Bei Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Emotion niemals.
- Titel und Thumbnail sind dein wichtigstes Marketinginstrument. Esther van Messel (First Hand Films) sagt: Stell dir vor, von deinem Film bleibt nur der Titel und ein kleines Bild. Wer nicht von außen auf die eigene Geschichte schauen kann, sollte sich Menschen suchen, die es können, und ihnen vertrauen.
- Man lädt einen Film nicht einfach auf YouTube hoch. YouTube ist komplex und ändert sich ständig. Den richtigen Kanal zu finden ist wie die Suche nach dem richtigen Sender: erst schauen, wohin der Film passt, dann gezielt andocken.
- Es beginnt beim Schreiben, nicht im Schnitt. Wer ein Publikum erreichen will, denkt die Geschichte von Anfang an in mehreren Fassungen, 90, 45, auch mal 26 Minuten. Dieselbe Geschichte, andere Form, mehr Menschen. Und ein kurzes Companion-Stück, etwa ein Interview, kann einen Film zusätzlich weit tragen.
- Das Publikum ist da, nur woanders. Digitale Einnahmen haben bei First Hand Films das klassische Lizenzgeschäft überholt, und auf YouTube finden selbst 15 Jahre alte Filme neue, dankbare Zuschauer*innen. Gleichzeitig erleben engagierte Einzelvorführungen mit NGOs ein Comeback. Wichtig bleibt: Filmschaffende müssen dafür fair bezahlt werden.
Dass TGMN zu solchen Runden eingeladen wird, ist kein Zufall. Audience Development gehört zu unseren Kern-Dienstleistungen. Wenn führende Festivals und Branchenplattformen TGMN einladen, um diese Frage zu verhandeln, dann ist das genau die Expertise, die auch Filmteams, Verleihe und Institutionen direkt buchen können: das richtige Publikum finden, verstehen und aktivieren. Und ehrlich gesagt: Diese Fragen mit den Vorreitern der Branche zu diskutieren, erweitert auch unseren eigenen Horizont.
Du brauchst Unterstützung im Bereich Audience-Development. Dann schreib uns eine E-Mail an mail[at]thegoodmedia.net und lass uns gemeinsam eine Strategie entwickeln.




